Schloss Schönfeld

Könige, Raubkatzen und erotische Abenteuer: Das kleinste hessische Schloss hat eine aufregende Geschichte.

Gardekommandeur Heinrich von Schönfeld ließ das Schlösschen 1777 errichten, zunächst als Landhaus mit schönen Gartenanlagen. Den Lengenberg hatte er vom Landgrafen für seine Kriegsdienste als Geschenk erhalten. Und ausreichend Geld hatte der Feldherr aus den Kriegskassen unterschlagen. Als er Hessen wenige Jahre später schwer verschuldet verlassen musste, verkaufte er Grundstück und Haus wieder an den Landgrafen.

Das Schlösschen wechselte fortan häufig die Besitzer, bis es unter dem Bankier Karl Jordis und seiner Frau Ludovica zum einem Treffpunkt der Romantiker wurden. Schöngeister wie die Geschwister Brentano, die Brüder Grimm und Achim von Arnim flanierten durch die Parkanlage und fanden dort geistige Gemeinschaft und Inspiration.

Doch früh verlor der Ort diesen Zauber. Jérôme Bonaparte, der neue König von Westphalen, drängte die Jordis zum Verkauf. Er erweiterte das Schloss und verlieh ihm 1821 seine heutige Gestalt. Seine spielerische Vorliebe für Glanz, Pomp und Luxus fanden darin Ausdruck. Er schenkte das Schloss seiner Frau, nutzte es aber selbst für seine zahllosen erotischen Abenteuer. Sein bekanntestes Verhältnis: Diana von Pappenheim. Als sie ein Kind von ihm gebar, hielt man es geheim. Doch Diana nannte ihre Tochter Jeromee, später Jennie, in Gedanken an ihren leiblichen Vater. Mit dem zweiten Kind kam schließlich die Wahrheit ans Licht, weil Dianas Ehemann mittlerweile als unheilbarer Geisteskranker in Pflege war.

Nach dem Abzug der Franzosen gingen Diana und ihre Tochter Jenni an den herzoglichen Hof nach Weimar. Jenni freundete sich dort mit den Prinzessinnen an und wurde später Kindermädchen der Enkel von Johann Wolfgang von Goethe. Ihre beste Freundin, die Prinzessin, heiratete Wilhelm I., den späteren deutschen Kaiser. Die Freundschaft wurde später skandalös beendet. Denn die Frau des deutschen Kaisers konnte nicht per Du mit der Tochter des verhassten Franzosenkönigs sein.

Mittlerweile war das Schloss in Besitz des Kurfürsten Wilhelm II. gelangt. Auch er schenkte das luxuriöse Anwesen seiner Frau. Doch Auguste konnte sich nicht recht freuen. Das Geschenk sollte die Kurfürstin besänftigen, während Wilhelm sich mit seinen Geliebten vergnügte. Sie nannte das Schloss nun „Augustenruh“ und lud dort Freunde zum Empfang.

Im Jahr 1898 übernahm Gastronom Karl Keibe das Schloss, richtete eine Gastwirtschaft ein und legte einen Zoo an, mit Bären, Zebras, Löwen und Tigern. Doch schon zwei Jahre später musste der Betrieb geschlossen weren.

Zur Zeit des ersten Weltkrieges diente der Westflügel als Lazarett.

Um es vor Plünderungen und Vandalismus zu bewahren, gestattete man zwei Studenten dort kostenfrei zu wohnen.

In den Jahren nach dem Krieg wurden noch gelegentlich Tanzabende veranstaltet. Doch das Schloss verfiel zusehends. Um es vor Plünderungen und Vandalismus zu bewahren, gestattete man zwei Studenten dort kostenfrei zu wohnen. Bis im Jahr 1989 engagierte Bürger den „Freundeskreis Schlösschen Schönfeld“ gründeten. Das Schloss war mittlerweile völlig marode. In Eigeninitiative und unter Aufbringung enormer Geldmittel wurde das Schloss saniert und erscheint seit 1992 in neuem Glanz.

Heute befindet sich im Ostflügel ein Bereich der ausschließlich privatem Clubleben vorbehalten ist. Wie zur Zeit der Romantik treffen sich hier Personen aus Wirtschaft, Politik, Kunst und Kultur zum gepflegten Gedankenaustausch. Die anderen Bereiche bieten eine exklusive Gastronomie und Möglichkeiten für Veranstaltungen, Tagungen, Bälle und Festessen.

Rauschende Feste, heimliche Liebesabenteuer und Menschen die die Geschichte geprägt haben: Selten findet man lebendige Geschichte so verdichtet wie im Schönfelder Schlösschen.

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